Der Kreisverband DIE LINKE Rhein-Hardt spricht sich für den Erhalt der ärztlichen Notfallpraxis am Standort Schwetzingen aus.

Am 21. Oktober 2024 hat die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) ihre Pläne eines neuen Standortkonzepts für den Ärztlichen Bereitschaftsdienst (ÄBD), welche dazu führen, dass 18 Bereitschaftspraxen geschlossen werden sollen, vorgestellt. Die Notfallpraxis Schwetzingen soll nach diesen Plänen ab dem 1. April 2025 nicht weiter betrieben werden.

Die Pläne zur Einschränkung des ärztlichen Bereitschaftsdienstes der KVBW bedeuten eine Mehrbelastung des Personals an den Standorten Mannheim und Heidelberg, die nach den jetzigen Plänen die 14 000 bis 16 000 jährlichen Patient*innen zusätzlich aufnehmen müssen. Die Schließung verlagert das Problem in die Krankenhäuser und den Rettungsdienst, die ebenfalls bereits am Anschlag arbeiten. Wir stehen an der Seite der dort arbeitenden Menschen, die diese Umsetzung durch eine Mehrbelastung auffangen müssen, was einen noch größeren Verschleiß des Personals bedeutet.

Der Wegfall des Standortes Schwetzingen ist aber auch eine Katastrophe für die wohnortnahe Versorgung im ländlichen Raum, für die 500 000 Einwohner*innen des Rhein-Neckar-Kreises. Nach den Plänen der KVBW, die per gesetzlicher Regelung die Verantwortung für die Gewährleistung der ambulanten Notdienstversorgung trägt, sollen 95% der Bevölkerung in 30 Minuten eine Praxis erreichen und 100% nicht länger als 45 Minuten mit dem PKW zur nächsten Praxis brauchen.

Doch nicht alle Menschen besitzen ein Auto oder sind in der Lage, Auto zu fahren. Insbesondere bei Senior*innen, Menschen mit Behinderung, Pflegebedarf, chronischer Krankheit oder psychischer Erkrankung sowie Geflüchteten und subsidiär Schutzbedürftigen beschränkt oder verhindert die Schließung des Schwetzinger Standortes den Zugang zu einer angemessenen Notfallversorgung. Neben dem Mangel an Ärzt*innen sowie den Krankenhausschließungen und dem Apothekensterben verschärfen diese Pläne die medizinische Versorgung der Bevölkerung akut.

Wir begrüßen die Pläne zum Ausbau der telemedizinischen Leistungen; diese stellen aber keinen Ersatz für wohnortnahe und aufsuchende Angebote im ländlichen Raum dar. „Wir brauchen Kooperation statt Konkurrenz und Vernetzung statt Versäulung, um in einem hoch komplexen System allen Menschen wohnortnah die bestmögliche Versorgung anbieten zu können“ steht es im Antrag der DIE LINKE „Gesundheit für alle – Modern, gemeinwohlorientiert und solidarisch“ vom 14. Mai 2024 (Drucksache 20/11427).

Wir stellen uns hinter die Forderungen des Arbeiter-Samariter-Bund Baden-Württemberg e.V. (ASB) „die Beschränkungen des ärztlichen Notdienstes durch die KVBW und die weiteren Schließungen der Bereitschaftspraxen“ umgehend zurückzunehmen und teilen das Anliegen des Marburger Bund, die langfristige Ausgestaltung der Notfallpraxen mit allen beteiligten Akteur*innen auf einem Gipfel zu diskutieren.

Wir befürworten und unterstützen die Unterschriftenaktion gegen die Schließung der Schwetzinger Notfallpraxis, die der Landtagsabgeordnete Daniel Born (SPD) initiiert hat. Wir fordern jedoch über die Unterschriftenaktion hinaus, dass das Gesundheitssystem im Sinne des oben genannten Antrags vom 14. Mai 2024 der Linken ganzheitlich und perspektivisch in den Blick genommen und verändert werden muss. Dazu gehört u.a. eine Ausbildungsoffensive des Landes die nichtärztliche Gesundheitsfachberufe wie Pflegefachkräfte, Ergo- und Physiotherapeut*innen, MFA, ZMFA, Notfallsanitäter*innen, Apotheker*innen, PTA und andere aufwertet, in öffentliche Hand nimmt und für die Auszubildenden kostenlos ist.

In die Planung der Versorgungsstruktur müssen die Beschäftigten mit ihren Gewerkschaften, die Sozialverbände und die Interessenvertretungen von Patient*innen in regionalen Planungskonferenzen miteinbezogen werden, um die Planung zu demokratisieren und regional am gesellschaftlichen Bedarf auszurichten.

Wir stehen sowohl an der Seite des medizinischen Personals als auch bei den Bürger*innen, die von der geplanten Schließung der Notfallpraxis Schwetzingen betroffen sein werden.

Die Linke KV Rhein-Hardt